Begehbares Kunstwerk:
das Graffiti-Projekt an der Station Köln Hansaring.
Im städtischen Mobilitätsalltag eingebettet, entfaltet das TRI-Motiv seine volle Wirkung. Während oben der RRX vorbeirauscht, unterqueren unter der Brücke Radfahrende die Bahnstrecke, und links sind Fahrgäste auf dem Weg zur unterirdischen Stadtbahn. Im Aufgang zur benachbarten Station Hansaring lassen sich außerdem weitere Graffiti des Künstlers Octagon entdecken.
Eckdaten
| Station | Köln Hansaring (TRI) |
| Elemente | Fassadengestaltung |
| Künstler | Octagon
|
Das Projekt befindet sich hier:

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Kunst am Hansaring: TRI setzt mit Octagon ein starkes Zeichen
TRI hat am Firmensitz unweit der Station Hansaring ein Kunstgraffiti vom Künstler Octagon anbringen lassen. Wie sind Sie auf die Idee gekommen und wie finden Sie das Ergebnis?
Für ein Eisenbahnunternehmen kann es keinen besseren Standort in Köln geben als die Brücke am Hansaring. 90 Sekunden zu Fuß vom Schreibtisch zur S-Bahn – und die Züge rollen nahezu direkt durch unsere Büros hindurch. Welche Leitstelle in Deutschland hat schon direkten Blickkontakt zu ihren Triebfahrzeugen und zu seinem Personal? Hier geht das. Der Hansaring in Köln ist aber auch wie ein Nahverkehrszug: Hier findet sich alles, was die Gesellschaft so hervorbringt: von erstklassig elegant bis hin zum „unteren Ende“. Insbesondere der Zugang zur S-Bahn unter der Brücke besitzt ein Jahresabo für die unschönen Hinterlassenschaften seiner Mitbürger*innen. Auch unsere Hauswand befand sich sehr lange in einem unschönen Zustand der Zweitklassigkeit. Doch dann kam uns die Idee, es den Kollegen vom Boxclub um die Ecke gleich zu tun und die Fassade der Außenwelt anzupassen. Der Hansaring ist ein Zentrum der Graffiti-Szene in NRW. In unserem Nachbarhaus befindet sich die „Versorgungszentrale“, wirklich sehenswert mit einer ungeahnten Auswahl an Spraydosen in allen nur denkbaren Farben und Qualitäten.
Und so haben wir es anderen Gebäuden im Viertel nachgemacht, unsere Gegend kreativ zu gestalten und rufen gerne auch aktiv dazu auf. Wer mitgestalten will, kann uns einfach anschreiben oder an unserer Haustür klingeln. Aus diesem Bewusstsein heraus haben wir uns nach einem kleinen Ideenwettbewerb für das Künstlerpaar der „Octagon“ entschieden. Das Ergebnis ist einfach sensationell! So viele Elemente, Details und die Dynamik der Bewegung bei einer klaren Darstellung der Eisenbahn. Hier zeigen sich zum einen die „Tugenden der Bahn“, aber auch das neue Verständnis der Gesellschaft für Mobilität: pünktlich, gradlinig, bewusst, verspielt, geschwungen - und mit einem Ziel: Köln Hansaring!
Die illegale Besprühung von Fahrzeugen ist für die Verkehrsunternehmen ärgerlich und teuer. Welche Auswirkungen hat Graffiti auf die Verfügbarkeit und den Einsatz Ihrer Fahrzeuge?
Unerwünschte Graffitis bringen echte Herausforderungen für uns als Verkehrsunternehmen mit sich. Sie müssen sofort von den Fahrzeugen entfernt werden, insbesondere wenn Fenster, Türen oder Betriebsanschriften zulackiert sind. Das kann zu Zugausfällen führen in einem Verkehrssystem, das derzeit eh schon mit vielen Ausfällen und Verspätungen zu kämpfen hat. Aus diesem Grund entscheiden sich einige Verkehrsunternehmen auch dazu, Fahrzeuge mit Verschmutzungen durch Graffitis auf die Strecke zu schicken. Bei TRI geht grundsätzlich kein illegal bespraytes Fahrzeug in den Fahrdienst. Im Kölner Betriebsbahnhof verfügen wir über einen 24/7 Graffiti-Beseitigungsdienst. Zudem haben wir immer einige Reservefahrzeuge im Betriebsbahnhof verfügbar.
Wie ist Ihr Verhältnis zur Graffitiszene und deren Auswirkungen auf die Bahnwelt?
Die Sprayer übersehen leider, dass TRI kein öffentliches Unternehmen ist, sondern ein Familienbetrieb in privater Hand. Alle unsere Züge sind persönliches Eigentum der Firma, also vergleichbar mit unserem privaten Auto oder Fahrrad. Doch wer käme auf die Idee, alle am Hansaring geparkten Pkw zu besprühen?
Wer von der S-Bahn-Haltestelle zu uns kommt, sieht, wie das künstlerische Engagement des „Boxclub“ ständig „übergetaggt“ wird, was sehr unschön ist. Da werden echte Künstler gefördert und ein paar „Schmierfinken“ machen alles wieder kaputt. Auch unserem Großkunstwerk ergeht es ähnlich, wobei wir es mit einer Versiegelung überzogen haben. Tags lassen sich daher einfach entfernen.
Unsere Erkenntnis: Die Sprayer-Szene in NRW wird man nie schlagen. Sie ist viel einfallsreicher als die ermittelnden Beamten, die hier eher unbeholfen vorgehen und lustlos wirken. Aus Bayern, an dem sich unser Familiensitz befindet, sind wir da ein ganz anderes Engagement gewöhnt – mit entsprechender Wirkung. Die Schäden für das sinnlose künstlerisch Wirken an unserem Eigentum in NRW gehen jedes Jahr in den mittleren sechsstelligen Bereich. Viel lieber würden wir dieses Geld in soziale Projekte im Viertel oder aber direkt in die Graffiti-Künstler selbst investieren. Möglichkeiten dafür gäbe es in der Nachbarschaft genug. Wir wollen mit den Spray-Künstlern ehrlich, offen und vertrauensvoll umgehen. Das sind auch die Werte, die wir bei TRI leben und sagen daher „Auf gute Nachbarschaft!“ Deshalb reichen wir der professionellen Graffiti-Szene gerne die Hand.
Und ja, wir würden der Szene auch einen Zug zur künstlerischen Gestaltung zur Verfügung stellen. Denn wir unterscheiden sehr genau zwischen „billigen Schmierereien“ und wertvollen Kunstwerken. Wenn wir weniger Geld für die Entfernung von unnötigen illegalen Graffitis ausgeben müssten, dann hätten wir mehr Geld für die Förderung dieser großartigen Kunstform verfügbar. Also ein klares „Win-Win“ für beide Seiten.
go.Rheinland und die DB InfraGO versuchen durch Kunstgraffitis Bahnstationen aufzuwerten – an welcher Station könnten Sie sich ein neues Kunstwerk vorstellen?
Lassen Sie uns provokant sein: Da wo die „4711“ in der Kölner Bahnhofshalle bislang das klassische Erkennungsmerkmal des Kölner Hauptbahnhofes war, da könnte in Zukunft auch ein lichtdurchflutendes Graffiti-Kunstwerk prangen – etwas, was die alt-ehrwürdige „4711“ neu in Szene setzt.
Weitere Möglichkeiten für alles, wofür Köln steht und für alles, was Köln heute ist, bietet das Tiefgeschoss des Hauptbahnhofes als verbindendes Element zu den Kölner Verkehrsbetrieben (KVB). Und diese neuen Motive am Hauptbahnhof müssten dann vergleichbare Motive am doch recht kühlen Bahnhof des Flughafen Köln-Bonn folgen – als verbindendes Element der Kunst. Damit könnten wir zeigen, was Köln kann und ist, eine Stadt mit Charakter, die aufragt und aufregt. Weitere Stationen dürfen gerne folgen, wie z.B. am Bahnhof Köln Messe-Deutz.
Wünschenswert wäre es, wenn sich alle Kölner*innen an der individuellen Motivauswahl für „ihren“ Haltepunkt beteiligen dürften - monetär, künstlerisch, kreativ oder auch zum Zwecke des Erhalts. Damit könnte Köln ein „Gesamtkunstwerk“ für sich selbst erschaffen.
Könnte sich Ihr Unternehmen vorstellen, Graffiti-Kunst in Marketingkampagnen einzubinden, sofern sie legal und kontrolliert erfolgt?
Grundsätzlich würden wir das Befürworten, wobei wir leider feststellen, dass der Respekt gegenüber der Kunst und insbesondere bei Street Art Tags stark abgenommen hat. Manche Kunstwerke werden sehr schnell Opfer des Vandalismus. Das mussten wir bedauerlicherweise ja auch bereits bei dem Kunstobjekt an unserer Hauswand feststellen.
Tobias Richter, Geschäftsführer der TRI Train Rental GmbH in Köln

